Das Schöne an Gräfin gesucht ist zweifellos die, als kaum mehr möglich erachtete Steigerung von Peinlichkeiten von Folge zu Folge. So wird langsam auch nachvollziehbar, weshalb die sich selbst als gesellschaftliche Elite sehenden Herren keine Scheu vor einer öffentlichen Zurschaustellung bei der Balz hatten.
Balz, so wird im Tierreich gemeinhin das Werben um das Weibchen genannt, ist ein gutes Stichwort dachte sich wohl auch der humorvolle Benedikt als er seine Weibchen, Verzeihung, seine Probe-Gräfin natürlich, anhielt, den akustischen Genüssen der Blattlausbalz zu lauschen. Gabriela hörte nichts – und erkannte auch nicht des Adligen humoristische Absicht hinter diesem Feuerwerk der Spaßigkeit. Doch immerhin: Mit den beiden Bediensteten war sie auf gleicher Wellenlänge. Und wer bitteschön, nimmt seine langjährige Zugehfrau nicht herzlich in den Arm, wenn er diese dem quasi schon designierten Eheweib vorstellt?
Benedikts Zuneigung zur vermeintlich verschlossenen Gabriela wurden insbesondere auf dem Hochsitz recht deutlich. Mehr oder minder in die Enge getrieben war Gabriela, mit Champagner und hausgemachten(!) Schoko-Erdbeeren nur geringfügig entschädigt, schutzlos und ohne Fluchtmöglichkeit der Tuchfühlung des Romantikers ausgeliefert.
Männlichkeitsfaktor: 1 von 5 Punkten
Sexappeal: 1 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 5 von 5 Punkten
Souveränität: 3 von 5 Punkten
Endlich durfte auch Michael seine auserkorene Traumfrau auf Zeit vom Bahnhof abholen. Zeigte er sich beim Warten auf Helen noch sichtlich nervös, so schwand die Anspannung bei ihrer Ankunft sichtlich. Bussi-Bussi und ab in den Chayenne – erst dort fielen ihm ihre Extensions auf und er konnte kaum den Blick von ihr lassen.
Als typische Single-Wohnung bezeichnete er sodann die Tatsache, dass man beim Betreten seines Wohnbereichs als erstes im Schlafzimmer landete. Nun denn, jeder so wie er mag – und wie er´s braucht. Zumindest unterstreicht diese Tatsache die ballermannschen Züge des Blaubluts. Bei diesen Bildern und Aussagen würde sich dessen berühmter Vorfahr, nach welchem eine der wichtigsten Münchner Straßen, der Oskar-von-Miller-Ring nämlich. benannt wurde, am liebsten wohl vom Sockel der Münchner Ruhmeshalle stürzen.
Auch Michaels Humor ist sehr speziell, so der Hinweis, dass sein Bett doch groß genug für zwei Personen sein. Er löste hingegen rasch auf und Helen, die ansonsten in einem Stundentenwohnheim residiert, bekam ein Appartement mit eigenem Bad. Potzblitz, so beeindruckt man 26jährige. Zumindest eher als mit einer Menübestellung für einen bis dato gänzlich unbekannten Menschen. Vermutlich wollte Michael ganz gentlemanlike sein, als er Tartar bestellte und somit den eigenen Appetit auf „rohes Fleisch“ zu befriedigen versuchte. Was ihm letztlich gelang, als er auch noch den Teller seiner Begleitung leerte. Nachdem er bei den Basics so versagte ist es wohl überflüssig, auf weitere Fauxpas einzugehen.
Männlichkeitsfaktor: 3 von 5 Punkten
Sexappeal: 2 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 2 von 5 Punkten
Souveränität: 2 von 5 Punkten
Zumindest 10-Minuten-Graf Moritz blieb sich treu. Timing ist alles und der Zuschauer ahnt schon, dass man sich im Zweifelsfall sogar zur Erfüllung ehelicher Pflichten in 10 Minuten zum Beischlaf trifft. Im Zweifelsfall eben, denn auch dem Segeltörn wohnte, wie zuvor schon bei der Kutschfahrt, auch vor der Kamera wieder einmal Publikum bei. Wer mag da nicht an Imagepolitur denken? So verwundert es letztlich auch nicht, dass Moritz, nachdem sich der erste Schock über die bajuwarische Tischdeko gelegt hatte, nur zu gerne an der Weißwurst gezuzelt hätte. Doch Ärztin Anke legte lieber Hand an – während Moritz sich ebenso dümmlich wie unbeholfen beim Bier einschenken blamierte.
Fazit: Patrick Lindner ist immer noch Favorit, allerdings könnte Guido Westerwelle ihm dicht auf den Fersen sein.
Männlichkeitsfaktor: 0 von 5 Punkten
Sexappeal: 1 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 4 von 5 Punkten
Souveränität: 1 von 5 Punkten
Constantin hat sich immerhin halbwegs tapfer geschlagen. Mag sein, dass er zum Zeitpunkt der Aufzeichnung auf Schadensbegrenzung bedacht war. Die potentielle Heiratskandidatin wurde formvollendet vom Hotel abgeholt und zum Frühstück gekarrt. Dort langte sie mit Schmandkuchen(!) erst einmal richtig zu. Der anschließende Trip in den Gartenmarkt verlief überwiegend glimpflich, lässt man Constantins Fettnäpfchen „Such Dir ein Geschenk aus“ außen vor. Glücklicherweise zeigte sich Mirja wenig irritiert. Hallo?! Welche halbwegs intelligente Frau sucht sich im Gartencenter(!!!) ein Geschenk(!!!) für sich selbst aus? Mit Verlaub werte Herren (im Allgemeinen), aber wenn Sie schon schenken möchten, dann bedarf das durchaus einiger, vor allem aber auch kreativer Mühe.
Das Blumentopf-Gebuddel auf dem Balkon war sicherlich so spannend wie das Setzen eines Einlaufs für einen altgedienten Gastrologen, da konnte auch der Champagner und die zwischenzeitlich mit Schnittblumen gefüllte China-Pressvase nichts gegen ausrichten.
Männlichkeitsfaktor: 3 von 5 Punkten
Sexappeal: 2 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 1 von 5 Punkten
Souveränität: 2 von 5 Punkten