Dienstag, August 05, 2008

Gräfin gesucht - Brunftzeit auf Schloss Ahrensburg

Endlich war es soweit – Sat1 blies zum großen Halali und das beziehungsbedürftige Blaublut checkte das bürgerliche Frischfleisch, das sich ihnen, mehr oder minder appetitanregend, auf dem Silbertablett präsentierte. Rund 1,06 Millionen Zuschauer, ein Marktanteil von immerhin 12,9 Prozent, wurden Augenzeugen des adeligen Brunftgebarens bei "Gräfin gesucht".

Bevor es zur Treibjagd aufging wurde, die sich selbst zum Freiwild erklärende Beute, jedoch erst einmal anhand der schriftlichen und digitalen Bewerbungen in Augenschein genommen. Mit Hilfe qualifiziert-professioneller Beratung durch Haushälterin resp. besten Freund und wenig vornehmer Zurückhaltung wurden die Damen begutachtet und die Beutetauglichkeit anhand der, oft im wahrsten Sinne des Wortes hervorragendsten Äußerlichkeiten, waidmännisch beurteilt. Die besondere Bürgernähe der heiratswilligen Kandidaten bewiesen diese zudem schon im Umgangston mit dem hauseigenen Personal. Da kann manchem „Normalo“, der die Zugehfrau höflich siezt und selbiges von ihr erfährt, durchaus schon elitäres Gehabe unterstellt werden.

Dass jedoch nicht nur Umgangston sondern auch Umgangsformen gemeinhin völlig überbewertet werden, zeigte sich sodann schnell, als es um die Aufhebung der Schonzeit potentieller Gräfinnen ging. Da wanderte der Blick bei der Begrüßung unverhohlen direkt ins Dekollete, die Damen wurden von oben bis unten gemustert wie eine Zuchtstute auf dem Rossmarkt - und die Akkolade nutzte manch einer der Blaublüter gar in Hundemanier zur präventiven Reviermarkierung, indem er die potentielle Eheanwärterin schlichtweg besabberte. Tiefgehende Gespräche rund um Genqualität und Fortpflanzungsfreude perfektionierten das Bild auf Viehmarkt-Niveau.

Zu den Kandidaten im Einzelnen:

Benedikt, als humorvoller Romantiker betitelt, zeigte sich zwar wenig romantisch, dafür jedoch sehr authentisch. Ein knorriges Nordlicht, immerhin des Plattdüütschen mächtig und sich dazu bekennend, schwankt er in Bezug auf die zu erlegende Beute noch ein wenig zwischen der heimischen Wildsau und der exotischen Antilope. Ihm sollte eine Entscheidung zwischen Vernunft (Sparsamkeit) und Verlangen (Fortschritt) nicht allzu schwer fallen, so dass schlussendlich die Dame das Rennen machen wird, welche das geringste monetäre Risiko darstellt.

Männlichkeitsfaktor: 2 von 5 Punkten
Sexappeal: 1 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 5 von 5 Punkten

Constantin, der charismatische Unternehmer, überzeugte primär durch offensichtlich erkennbare Testosteron-Überdosierung. Er fühlte sich sichtlich wohl in der Rolle des von der Beute umschwärmten Jägers und augenscheinlich war mindestens jeder zweite Gedanke beim vollendeten Blattschuss. Es scheint, als bliebe sich der bekennende Trophäensammler in allen Belangen konsequent treu - und somit dürfte es ihm letztlich auch ziemlich egal sein, was ihm vor die Flinte kommt.

Männlichkeitsfaktor: 5 von 5 Punkten
Sexappeal: 4 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 1 von 5 Punkten

Moritz, der attraktive Gutsherr steht sicherlich ein wenig im Schatten der Kollegenschaft. Eher leidenschaftslos pulsiert das blaue Blut in den Adern und ein bunter Schmetterling dürfte ihn ganz sicher mehr in Entzücken versetzen als ein röhrender Zwölfender. Nebst auffallender Defizite in Sachen Umgangsformen und dadurch bedingtem Mangel an selbstsicherem Auftreten zeichnet er sich bislang eher durch einen immens hohen Gähnfaktor aus. Wen er damit beeindrucken kann? Nun, vielleicht ja Patrick Lindner.

Männlichkeitsfaktor: 0 von 5 Punkten
Sexappeal: 1 von 5 Punkten
Zukunfts-/Treuefaktor: 4 von 5 Punkten